Boyne Valley

Von Emer Taaffe

Zentimeter für Zentimeter kriecht der Lichtstrahl über den Boden des steinernen Gangs. Ich bin im UNESCO Weltkulturerbe Newgrange, einem Hügelgrab älter als die ägyptischen Pyramiden, und erlebe gerade, wie der Strahl der Sonne zur Wintersonnenwende in die Grabkammer dringt. Es ist ein zugleich unheimliches und feierliches Erlebnis, das jahrtausendealte Geschichte spürbar macht.

Im Boyne Valley ist dieses Gefühl ständig präsent, denn hier finden sich auf 225 Kilometer, die sich auch gut mit dem Fahrrad bewältigen lassen, insgesamt 29 historische Stätten. Überall sind die Spuren der irischen Geschichte zu sehen, ob von heidnischen Ureinwohnern oder Hochkönigen, frühchristlichen Mönchen oder kriegerischen Wikingern, Normannen oder anglo-irische Aristokraten.

Vorbei an grasenden Schafen habe ich den Hill of Ward bei Athboy erklommen. Oben wartet ein eisenzeitliches Ringfort, Schauplatz ungezügelter Samhain-Feste der frühen Iren. Moderne Heiden versammeln sich noch heute auf dem Tlachtga (so der irische Name), um das keltische Neujahr zu feiern. Ein echtes Spektakel, wie man mir versichert. In Monasterboice, Mellifont Abbey und Kells stand ich vor massiven Steinkreuzen und fragte mich, wie die frühchristlichen Mönche bei einem Angriff in die Rundtürme gelangt sind, wenn deren Eingänge doch fast 4 Meter über dem Erdboden liegen. Vermutlich setzt ein Angriff mörderischer Wikinger (mit Hilfe einer Leiter) ungeahnte Kräfte frei.

Ich bin durch vornehme Herrenhäuser geschlendert und habe viele Geschichten gehört. Die Straße von Dublin nach Slane ist angeblich eine der geradesten in Irland, weil König King George IV. möglichst schnell zu seiner Geliebten Elizabeth, Marchioness Conyngham of Slane Castle, gelangen wollte. Der Tag endet, wie er begonnen hat, mit einem Blick in die Sonne. Von meinem Ausguck auf dem Hill of Tara sehe ich ins Land. Ein erhebenderes Panorama dürfte in ganz Irland kaum zu finden sein.

Zwischenstopps

Mellifont Abbey

Sehen
Trim Castle, eine anglonormannische Festung aus dem 12. Jahrhundert und Schauplatz von Mel Gibsons Film „Braveheart“, ist ebenso ein Muss wie das Battle of the Boyne Visitor Centre im Georgian Oldbridge House bei Slane oder die Megalithanlage von Loughcrew bei Oldcastle mit ihren 25 Kammergräbern.

Essen
Auf der Speisekarte des Tankardstown House bei Navan findet sich alles vom Afternoon Tea bis zum Sieben-Gänge-Menü. The Forge in Carnaross serviert Gerichte aus lokalen Zutaten in einer ehemaligen Schmiede, und in der George’s Patisserie in Slane kommen Schleckermäuler auf ihre Kosten.