Wohmobilreise durch Schottland

Schottland - Land der Burgen und Schlösser, mystischen Seen und pulsierenden Metropolen.

Ein Reisebericht von Jan Sobotka, Dok2 Film- und Fotowerkstatt

Stein an der Grenze von Schottland und England

Stein an der Grenze von Schottland und England

Wir verlassen Berlin im Regen und starten unsere Reise mit unserem angemieteten HYMER B 704 in Richtung Amsterdam, wo die Fähre nach Newcastle auf uns wartet. Da dies unsere erste Reise mit einem Reisemobil ist, sind wir sehr gespannt auf das Leben als "Camper" und auch Großbritannien ist für uns Neuland. Die Vorfreude ist groß und das Fahrgefühl in unserem HYMER überzeugt sofort. Durch die große Glasfront hat man eine tolle Übersicht und fühlt sich ein bisschen wie der "König der Landstraße".

Schnell sind wir mit unserem mobilen Gefährten vertraut und begeistert vom Wohn- und vor allem Schlafkomfort des HYMERs. Wir steuern den Hafen von IJmuiden in der Nähe von Amsterdam an und tauschen dort das bequeme Bett in unserem Reisegefährten für eine Nacht gegen eine Außenkabine auf der Fähre aus. Das Festland rückt in immer weitere Ferne, der klare Himmel beschert uns einen Sonnenuntergang wie im Bilderbuch. Das Gedränge der vielen Mitreisenden und auch der stolze Preis für eine (Tiefkühl-)Pizza von 18 Euro können unsere Vorfreude auf Großbritannien nicht schmälern.

Am Fährhafen IJmuiden

Am Fährhafen IJmuiden

Bei der Ankunft in Newcastle

Bei der Ankunft in Newcastle

Sonnenuntergang auf der Fähre nach Newcastle

Sonnenuntergang auf der Fähre nach Newcastle

Am nächsten Morgen erreichen wir bei "englischem" Wetter Newcastle upon Tyne und besichtigen die Stadt. Wir spazieren entlang der Uferpromenade und staunen über die zahlreichen Brücken in unterschiedlichsten Stilen, die Newcastle und die gegenüberliegende Stadt Gateshead miteinander verbinden.

New Castle upon Tyne

New Castle upon Tyne

Gestärkt von einer gar nicht mal so schlechten Wurst nach deutschem Rezept fahren wir zum Angel of the North, einer 20 Meter hohen Stahlskulptur, die an die Geschichte der dortigen Mienenarbeiter erinnert und die Ängste und Hoffnungen der Menschen symbolisiert.

Deutsche Würstchenbude in Newcastle

Deutsche Würstchenbude in Newcastle

Angel of the North

Angel of the North

Etwa 30 km südlich von Newcastle liegt Durham, wohin wir ebenfalls einen Abstecher machen. Die Kathedrale von Durham, eines der bedeutendsten Bauwerke im normannischen Stil, gilt nicht umsonst als eine der schönsten des Landes – wir sind beeindruckt.

Kathedrale von Durham (außen)

Kathedrale von Durham (außen)

Kathedrale von Durham (innen)

Kathedrale von Durham (innen)

Unsere Reise führt uns weiter. Auf der Suche nach dem Hadrianswall machen wir einen Zwischenstopp in Hexham, einer kleinen Stadt, in der wir die Hexham Abbey aus dem 11. Jahrhundert besichtigen. Schließlich finden wir eine günstig gelegene Parkbucht, wo wir unseren HYMER abstellen.

Dort haben wir eine traumhafte Aussicht über die hügelige Landschaft, durch die sich die Überreste des Hadrianswalls ziehen. Neben zahlreichen Kühen und Schafen treffen wir auch ein paar Reisende aus der Schweiz. Sie erzählen uns, dass sie nach zwei Wochen in Schottland nun nach England gekommen sind, um vor dem kalten regnerischen Wetter dort zu flüchten. Nun sind wir offiziell vorgewarnt, hoffen aber dennoch auf gutes Wetter für den weiteren Verlauf unserer Reise, schließlich nähern wir uns der schottischen Grenze.

Entlang der A 68 fahren wir durch den Northumberland Nationalpark und merken, wie sich die Landschaft sukzessive verändert. Es wird hügeliger, überall sind Schafe auf den Weiden, großartige Wolkenberge türmen sich auf. Am Grenzstein machen wir Halt und freuen uns: endlich sind wir in Schottland. Da es schon spät ist, bleiben wir spontan in Jedburgh, der nächst größeren Stadt hinter der Grenze und wir haben Glück. Hier finden wir einen günstigen Campingplatz der sehr ruhig am Jed Water (einem kleinen Fluss) gelegen ist und ein schönes Plätzchen für uns und unseren treuen Reisebegleiter bietet.

Von hier aus erkunden wir zu Fuß die Stadt und finden ein schönes Restaurant direkt neben den Ruinen des alten Augustinerklosters Jedburgh Abbey. Am nächsten Tag fahren wir schon früh nach Edinburgh. Der Reiseführer rät uns, das Auto am Stadtrand zu parken und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum zu fahren. Da wir bisher mit dem HYMER jedes Ziel erreicht und damit genügend Selbstbewusstsein aufgebaut haben, entscheiden wir uns spontan, den Rat auszuschlagen und fahren mutig ins Stadtinnere. Aus dem Auto heraus können wir uns bereits ein Bild von den majestätischen Bauten Edinburghs machen. Die Suche nach einem Parkplatz gestaltet sich dann aber doch als etwas langwieriger als vermutet. Überall sind Parkplätze für Anwohner reserviert, ansonsten reiht sich eine Fußgängerzone an die andere. Schließlich finden wir doch noch einen zentral gelegenen Platz und ein freundlicher Verkehrspolizist erklärt uns, dass wir auch mit unserem 8 Meter langen Fahrzeug dort stehen dürften, solange sich die Räder innerhalb der weißen Linien befänden (Radabstand ca. 6 m). Mit durch die freundliche Einweisung des netten Polizisten passt es und wir bezahlen umgerechnet 20 €, um 3 Stunden in der Innenstadt zu parken – etwas günstiger als die Bahnfahrkarte vom Stadtrand.

Wir bummeln durch die großen Einkaufsstraßen und mit uns zahlreiche Touristen. Nach einer kleinen Stärkung in Form von Burger und Chips erklimmen wir den Castle Rock, auf dem sich das Edinburgh Castle befindet. Gerade als wir unser Ziel erreicht haben, beginnt es wolkenbruchartig zu regnen. Also stellen wir uns unter und warten zusammen mit Touristengruppen aus verschiedensten Ländern den Regenguss ab. Von hier oben hat man eine wundervolle Aussicht über die Stadt, die uns allein schon eine Reise wert erscheint. Am Rand der Stadt ergattern wir einen der letzten freien Plätze in einem großen Caravanpark und lassen den Tag ausklingen.

Eingangsbereich Caravanpark im Norden Edingburghs

Eingangsbereich Caravanpark im Norden Edingburghs

Unser nächstes Ziel ist South Queensferry, wo wir die Forth Bridge besichtigen wollen. Die gigantische rote Eisenbahnbrücke besteht vollständig aus Stahl und gilt als architektonisches Meisterwerk, das täglich von ca. 200 Zügen überquert wird. Zu unserem Pech findet gerade am Tag unserer Ankunft ein Volksfest statt, weshalb die wichtigsten Hauptzugangsstraßen zur Brücke für Autos gesperrt sind. Auch im Rest der Stadt findet sich keine Abstellmöglichkeit für unseren HYMER. Uns bleibt nach langer Suche nichts anderes übrig, als aufzugeben.

Queensferry Forth Bridge

Queensferry Forth Bridge

Also überqueren wir den Firth of Forth auf der Forth Road Bridge und haben wenigstens von dort die Möglichkeit, die vom Auto aus 900 Meter entfernte Eisenbahnbrücke zu sehen. Unser Weg führt weiter Richtung Westen. Über eine kleine Landstraßen steuern wir einen abgelegenen Campingplatz in Milarrochy am Ostufer des Loch Lomond an. Leider regnet es in Strömen, sodass wir bei unserer Ankunft nur wenig vom größten See Schottlands und den ihn umgebenden Hügeln erkennen können.

Am nächsten Tag fahren wir am Westufer des Sees entlang und freuen uns, dass wir so mobil sind und unseren Urlaub an verschiedenen Orten verbringen können. Wir fahren dem guten Wetter hinterher. Nach der eher bewaldeten Umgebung des Loch Lomond zeigt sich uns hier ein neuer Anblick: Gebirge.

Wir fahren an Bergen vorbei, die während der Weiterfahrt nach Fort William immer höher werden. Dort befindet sich schließlich auch der höchste Berg Groß Britanniens, der Ben Nevis, dessen Gipfel an 300 Tagen im Jahr nebelverhangen ist. Uns begrüßt Fort William mit Nieselregen, der uns aber nicht davon abhält, uns die Stadt anzugucken. Wir laufen die Hauptstraße entlang, die größtenteils aus touristischen Shops und Bergsteigerläden besteht. Hier regt uns nichts zum Bleiben an und so machen wir uns auf den Weg, um eines der meistfotografierten Schlösser Schottlands zu sehen: Eilean Dornan Castle.

Unser Weg führt uns durch eine unglaublich schöne Gebirgslandschaft mit nebelverhangenen Bergen, grünen Hügeln, Wasserfällen und Gebirgsbächen. Endlich kommen wir am Schloss an und sind beeindruckt, wie malerisch es im Wasser steht. Da es schon abends ist, sind kaum noch Touristen unterwegs und so können wir ganz ungestört eine Runde um das Schloss drehen und die Landschaft bewundern.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Castle schon in mehreren Filmen als Kulisse diente und auch wir spüren die spezielle Atmosphäre, die hier herrscht. Zu unserem Glück finden wir im benachbarten Dorf einen überaus günstigen Campingplatz. Wir stellen unseren HYMER ab und können zum Abschluss des Tages sogar den Blick auf das im Dunkeln beleuchtete Castle genießen.

Unser nächstes Ziel ist Inverness, das "Tor zu den Highlands". Wir fahren entlang des Loch Ness, vorbei am Urquhart Castle und machen Halt in Drumnadrochit. Die kleine Stadt hat sich vollkommen auf Touristen und das Monster von Loch Ness spezialisiert. Es gibt Shops, Touren, Nessiplüschtiere und ein großes Ungeheuer aus Plastik, auf dem Kinder zu unablässiger Dudelsackmusik herumklettern können. Nach einer kurzen Stärkung fahren wir weiter, ohne Nessie gesehen zu haben, und erreichen Inverness. Da sich unser Campingplatz eher am düsteren Rand der Stadt befindet, sparen wir uns einen Spaziergang durch die Nachbarschaft und starten am nächsten Tag in die Highlands.

Unser erstes Ziel dort ist Ullapool. Die Stadt liegt direkt am Meer und so auch unser Campingplatz. Das Wetter ist eher durchwachsen, wobei wir uns bereits an den schnellen Wechsel von Regen und Sonnenschein gewöhnt haben.

Ullapool Campingplatz

Campingplatz Ullapool

Von unseren Nachbarn auf dem Campingplatz erfahren wir, dass durch den starken Wind und den vielen Regen die Midges in Schach gehalten werden. Midges sind noch so eine schottische Besonderheit: winzige fliegenartige Insekten, die in Schwärmen auftreten und stechen. Ein paar dieser Exemplare durften wir bereits kennenlernen, als wir auf unserer Fahrt durch die Highlands eine Pause gemacht haben und somit sind wir froh, dass sie dieses Jahr nicht in gewohntem Ausmaß aufzutreten scheinen. In Ullapool bummeln wir durch die symmetrischen Straßen, vorbei an zahlreichen Pubs und kleinen Shops für Touristen. Das Interessanteste aber ist der Hafen, der vollkommen zugänglich ist. So können wir das Beladen von Schiffen beobachten. Auf dem Weg zurück zu unserem zuverlässigen und komfortablen Wohnmobil werden wir von einem unglaublich schönen Sonnenuntergang überrascht.

Sonnenuntergang in Ullapool

Sonnenuntergang in Ullapool

Alle Camper versammeln sich unwillkürlich am Strand und sehen, wie die Sonne unter schwarzen Wolken im Meer versinkt. Ein Anblick, der uns für jeden Regenguss entschädigt.

Wir beschließen, von Ullapool ausgehend eine Tour entlang der westlichen Küste der Highlands zu machen. Das Wetter zeigt sich uns in all seinen Extremen. In kürzester Zeit wechseln sich Regenschauer und strahlender Sonnenschein ab. Unser Weg führt uns durch unbeschreiblich schöne Landschaften, wie wir sie auf unserer bisherigen Reise noch nicht gesehen haben. Wir sehen Sandstrände mit türkisem Meer, echte Bergziegen blicken uns von den steinigen Hängen entgegen und immer wieder bildet die Sonne glitzernde Flecken auf dem Wasser.

Wir durchqueren kleine Fischerdörfer, die meiste Zeit aber sind wir allein in unserem HYMER auf der kaum befahrenen Straße. Hier wird uns erneut die Facettenhaftigkeit Schottlands vor Augen geführt und wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, dieses faszinierende Land mit dem Reisemobil auf so flexible und unkomplizierte Art kennenzulernen.

Wir landen in Oban, einer Fischerstadt, die in einer Meeresbucht liegt. Von unserem dortigen Campingplatz aus haben wir eine wunderschöne Aussicht über die Granitfelsen und das Meer. Der McCaig’s Tower oberhalb der Stadt sticht uns sofort ins Auge, ist er doch dem römischen Kolosseum nachempfunden und stellt somit ein ungewöhnliches Bauwerk dar, das sich bei näherer Betrachtung allerdings erstaunlich gut in die Umgebung einfügt. Außerdem treffen wir hier große handzahme Möwen, die anscheinend an die zahlreichen Touristen gewöhnt sind und den ein oder anderen Happen von ihnen ergattern können.

Von Oban aus fahren wir zur Isle of Seil, wo sich die Clachanbrücke befindet. Eine steinerne Brücke über den Atlantik, der an dieser Stelle so schmal ist, dass er eher einem Fluß gleicht. Die Insel selbst erfreut uns mit herrlichen Wiesen im schönsten Sonnenschein und wir genießen die Ruhe, die dort herrscht, bevor wir zum Campingplatz nach Oban zurückkehren.

Atlantikbrücke

Atlantikbrücke

Unser nächster Halt ist Inveraray. Die kleine Stadt zeichnet sich durch zahlreiche denkmalgeschützte Bauten aus und befindet sich am Ufer des Meeresarmes Loch Fyne. Hier kehren wir endlich in ein uriges Whiskeygeschäft ein und lassen uns beraten.

Inverary

Inverary

Von nun an geht es weiter südlich an Glasgow vorbei nach Gretna, womit wir bereits die Grenze zu England erreicht haben. Wir besichtigen den Nachbarort Gretna Green, der zu den bekanntesten Hochzeitsorten weltweit gehört. Allerdings werden heutzutage hier keine Hochzeiten von Minderjährigen mehr durchgeführt, wie es zuvor 200 Jahre lang getan wurde.

Wieder in England angekommen, durchqueren wir den Lake District und sind beeindruckt von den Bergen und Seen, an denen wir vorbeifahren. Landschaftlich erinnert uns Einiges an Schottland, von dem wir nun Abschied genommen haben.

Nächster und letzter Halt unserer Reise soll Oxford sein. Wir kommen dort an und haben sommerliche Temperaturen, wie wir sie seit Wochen nicht hatten. Auch hier versuchen wir, mit dem HYMER einen geeigneten Parkplatz in Zentrumsnähe zu finden, was allerdings an den engen Gässchen und den Massen an Touristen scheitert.

Wir beschließen, unser Reisemobil etwas außerhalb zu parken und fahren mit dem Bus direkt ins Geschehen. Schnell merken wir, dass man auch hier gut und gerne eine ganze Woche verbringen könnte, so viel gibt es zu sehen. So lassen wir uns ausgehend vom Carfax Tower durch die Straßen treiben und bummeln an zahlreichen Universitätsgebäuden und Parks entlang.

Oxford

Oxford

Nicht weit von der Stadt entfernt finden wir einen Campingplatz, der keine Wünsche offenlässt. So verleben wir den letzten Abend unserer Reise in unserem liebgewonnenen HYMER dort, bevor es am nächsten Tag nach Dover und dann zurück nach Calais geht.

Wir verlassen Großbritannien mit zahlreichen unvergesslichen Eindrücken und Erinnerungen. Und eines steht fest: hierher kommen wir gerne zurück.