Wohnmobilreise Polen und Baltikum

Ein Reisebericht von Irene und Horst Dieter Berroth

Am 1. Mai letzten Jahres sind die von uns besuchten Länder (außer Königsberg) der EU beigetreten. Das war für uns der Grund, die im Vorjahr geplante Reise auf die neue Zeitphase zu verschieben. Für den Fall des Auftauchens von Problemen erschien uns die Verschiebung um ein Jahr sinnvoll. Im nachhinein können wir die Frage nicht beantworten, ob diese Vorsicht notwendig gewesen wäre.

Die Interessenlage der Leser unseres Berichts ist sicher sehr unterschiedlich. Manche wird die Reisestrecke, andere wiederum die besonderen Situationen interessieren. Wir haben darauf verzichtet, über Dinge zu berichten, die in jedem Reiseführer zu finden sind.

Des weiteren haben wir unseren Reisebericht in 2 Teile gegliedert und zwar in den Teil I mit Nordpolen und den Teil II mit Königsberg und dem Baltikum.Nachfolgend der Teil I. In bestimmten Bereichen haben wir beide Teile übergreifend besprochen.

Im folgenden auf dieser Seite haben wir grundsätzliche Informationen zusammengetragen, die für eine geplante Reise nützlich sind. Wer direkt zu den eigentlichen Reiseberichten will, folgt bitte den beiden Links:

Wir über uns

Wir sind 68 bzw. 70 Jahre alt und wohnmobilerprobt. Wir fahren einen Fiat Ducato Turbo mit integriertem HYMER Aufbau (B 688, Baujahr 1996). Mit diesem Wohnmobil und seinen Vorgängern haben wir schon ganz Europa und Teile des nahen Ostens abgefahren. In USA, Kanada und Südafrika hatten wir Wohnmobile gechartert.

Durch künstliche Hüftgelenke ist der eine, durch irreparable Bandscheibenschäden der andere von uns beim Gehen sehr behindert. Wir müssen somit sehr nahe an die Objekte heranfahren und in Großstädten Taxis nutzen. Ohne Wohnmobil könnten wir keine Reisen mehr unternehmen. Die Rückenschmerzen erlauben keine langen Flugzeiten und Fahrten mit dem Pkw oder einem Bus verhindern individuellen Ruhezeiten.

Gesamteindruck von der Reise

Die über einen Zeitraum von 4 Wochen ausgelegte und durchgeführte Reise war sehr interessant im Hinblick auf die Menschen, Landschaften, Baukunst und deutsche Geschichte. Vor allem das ehemalige Pommern und das jetzt polnischen Ostpreußen mit seinen meist sehr freundlichen und sehr oft deutsch sprechenden Bewohnern werden uns in besonderer Erinnerung bleiben. Die Kommunikation mit den Balten stellte sich viel schwieriger dar als mit den Polen.

Bei den Balten glaubten wir noch eher das postkommunistische Verhalten anzutreffen. Den Besuch von Königsberg hätten wir uns ersparen können. Dort sind die Straßenverhältnisse desolat und ausländische Besucher offensichtlich nicht begehrt. Im Nachhinein betrachtet hätten wir 2 getrennte Reisen unternehmen sollen und zwar einmal Polen mit den Masuren und zum anderen das Baltikum mit An- und Abfahrt per Fähre. Alles auf einmal war sehr flüchtig und mit zu wenig Erholungszeit zwischen den einzelnen Stationen.

Reisestrecke

Die in Klammern gesetzten Zahlen beziffern die bis dahin am Ende des Tages zurückgelegten kumulierten Strecken in Kilometern, wie wir sie gefahren sind, also einschließlich Umwegen. Die direkten Strecken dürften 15 % niedriger liegen. Wir haben frei übernachtet, sofern nicht die Bezeichnung „Camping“ dabei steht.

Bei Pomellen sind wir die Grenze Richtung Stettin überfahren (0). Stadt Stettin, Usedom, Ostseeküste entlang bis Kamien Pom. (186 km). Weiter entlang der Ostseeküste, über Kolberg, Köslin, Stolp, Lebork (450 km). Weiter auf der Nr. 6 nach Neust. Dort auf die Nr. 218 Richtung Ostsee, entlang dem Zarnowieckie-See auf die Halbinsel Hela. Dort bis zum Ende und die Hälfte wieder zurück (Camping 598 km). Über Puck, Reda, Gdingen ging es nach Danzig. Übernachtung in Zukowo, 20 km westlich von Danzig (717 km). Nochmals durch Danzig. Dann ging es nach Marienburg. Von dort über Elbing, Osterode nach Allenstein (966 km).

Über Bischofsburg erreichten wir 9 km nördlich von Sensburg in Reuschenbach (jetziger Name Russendorf = Rusca Wies) einen Campingplatz (2 Tage, 1065 km). Von dort befuhren wir die Seenplatte und übernachteten frei in Nikolaiken (1019km). Nach einer weiteren Fahrt um die Seen ging es über Lötzen zur Wolfsschanze bei Rastenburg. Übernachtet haben wir in Treuburg (Olecko) (1305 km). Als wir am nächsten Tag nach einiger Irrfahrt die Grenze nach Litauen bei Budzisko erreichten, hatten wir 1390 km zurückgelegt.

Wir steuerten Kaunas an um abends wieder zurück zu fahren zu dem einzigen in dieser Gegend komfortablen Campingplatz am Vistytis-See (Camping Viktorija, 2 Nächte) (1647 km). Von Kybartai ging es über die Grenze in die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg). Die Übernachtung war im Hotel Tourist gebucht (1852 km). Über die Kurische Nehrung fuhren wir nach Nida in Litauen und verbrachten eine Nacht auf dem Campingplatz „Camping Kempingas“ (km 1982). Am Ende dieses Naturschutzparks ging es mittels Fähre in die Stadt Memel, wo wir auf dem bewachten Hotelparkplatz „Klaipeda“ übernachteten (2043 km).

Über Palanga, Libau landeten wir abends in Windau (Ventspils) (2304 km). Auf der A 10 ging es über Jurmala nach Riga mit freier Übernachtung im Zentrum. Nach der Kenntnisnahme, dass ab Tallin die Autofähre nach Deutschland erstmals am 20. Juni startet, also zu spät für uns, buchten wir vor Ort die Rückfahrt mit der Fähre ab Memel. Dann fuhren wir auf der kürzesten Verbindung über die A1 (in Estland A4) Richtung Norden und übernachteten vor einem Hotel 50 km vor Tallin (2835). Von Tallin aus ging es auf der A 9 Richtung Westen. 8 km vor Haapsalu und 30 km nördlich davon blieben wir 2 Tage auf dem Roosta Holiday Campingplatz (2927).

Über Pernau ging es durch die Livländische Schweiz nach Sigulda (3356 km). Über Riga und Jelgava (A 12) besuchten wir den Berg der Kreuze um über die A 11 und Nr. 166 nach Plunge zu gelangen (3650 km). Die folgende Nacht verbrachten wir auf der Fähre Memel — Saßnitz (3720 km). Damit war der ausländische Teil unserer Reise beendet.

Empfehlung Einkäufe / Gaststättenpreise

Internationale und deutsche Markenware ist überall erhältlich, jedoch eher etwas teurer als in Deutschland. Andererseits ist es lästig, Dosen und Flaschen von zu Hause zu sammeln und wieder zurückzubringen um das Pfand einzulösen. Die örtlichen Waren sind erheblich billiger als bei uns. Das gilt auch für Bier. Wein ist überall importiert und daher teuer.

Die Gaststättenpreise, auch in Spitzenrestaurants, liegen bei 50 % oder noch weiter unter den deutschen Preisen. In den besseren Restaurants entsprachen überall die Gerichte unserem Geschmack. Ansonsten waren die Gerichte und der Service im Baltikum nicht so befriedigend wie in Polen. In der Regel werden — wie in Besatzungszeiten — Tellergerichte serviert, also warme Gerichte mit kalten Beilagen auf einem Teller. Ausgenommen hiervon sind Spitzenrestaurants mit westlichem Standard.

Geldtausch / Benzinpreise

Lästig ist der ständige Geldumtausch. Jedes der besuchten Länder besitzt seine eigene Währung. Restbestände an Banknoten sollten nach der Einreise ins nächste Land in die neue Währung getauscht werden. Die Bankomaten sind an jeder Ecke zu finden und der Umtausch einfach und problemlos. Lediglich in Königsberg sollte sofort an der Grenze in Rubel gewechselt werden, weil alles andere sehr umständlich ist. Hier bedarf es auch einer Geldplanung, insbesondere um einen genauen Restbestand für die Gebühren zum Besuchen der Kurischen Nehrung und zum Volltanken zu besitzen.

Der Dieselpreis kann im Internet des ADAC abgefragt werden. Er liegt mindestens 10 Cent unter unseren Preisen. Besonders günstig war er in Lettland (62 Cent und vor allem in Königsberg mit 30 Cent).

Straßen / Straßenkarten / Polizei

In Polen und im Baltikum sind die Fernstraßen meist in befriedigendem Zustand, teilweise hervorragend. Vorsicht ist ständig geboten. Alleen, Radfahrer und langsame Fuhrwerke sind überall Gefahrenquellen. Ebenso überraschende Schlaglöcher. Dazwischen aber gibt es noch miserable Strecken. Vor allem Ortsdurchfahrten mit Pflastersteinen. Die Zufahrten zu kleinen Siedlungen führen über holprige Feld- oder Sandwege. Eine desolate Ausnahme bildet Königsberg (siehe dort).

Die Informationen des ADAC sind sehr hilfreich. Zusätzlich sind Straßenkarten mit den Ortsnamen in ausländischer und deutscher Sprache empfehlenswert. Nicht jedoch unter dem Maßstab von 1:300. Auf den Hauptstraßen läuft ohnehin alles gut. Aber auf den Nebenstrecken geht schnell die Orientierung verloren.

Die ausländischen Ortsnamen kann man sich ohnehin nicht merken. Die Beschilderung ist im großen und ganzen zufrieden stellend, ebenso die Vorwegweiser für die nummerierten Fernstraßen. Vorwegweiser auf Nebenstrecken sind selten, ausgenommen in Estland. Oftmals muss man auf Nebenstrecken im Baltikum um die Ecke schauen um die Fortsetzung der Wegstrecke zu erkennen.

Übernachtung / Campen / Reisezeit / Mücken

In der Regel haben wir in Polen und dem Baltikum frei übernachtet. Unsere bevorzugte Standorte sind Neubaugebiete, wo wir uns an einem noch unbebauten Platz abstellen. Wenn neugierig nach uns geschaut wird, gehen wir auf die Leute zu und erklären unser Vorhaben. Gelegentlich übernachten wir auch auf den Parkplätzen der Hotels und Restaurants, wo wir zu Abend essen.

Als wir Mitte Mai starteten, waren nur wenige Campingplätze geöffnet. Wir haben diese Startzeit gewählt, weil wir Hitze im Wohnmobil scheuen. Insofern haben wir eine optimale Zeit erwischt. Auf der Heimreise Mitte Juni war es teilweise schon lästig. Die meisten Campingplätze öffnen erst im Juni. Da beginnt die Hauptreisezeit. Die Lage der Plätze ist in der Regel hervorragend, der Komfort jedoch eingeschränkt.

Erst gegen Ende in Estland haben wir einen Überfall an stechenden Mücken (Schnaken) erlebt. Es erlaubte uns einen Vorgeschmack darauf, wie es zur Zeit der Hauptplage in den Masuren und dem Baltikum lästig werden könnte.

In Polen besteht ständige Polizeipräsenz und entsprechende Kontrollen. Im Baltikum sieht man die Polizei nur selten. Die Parkvorschriften werden überall strengstens überwacht. Falschparker werden durch Wegfahrsperren zur Kasse gebeten.

Königsberg

Wer Königsberg mit dem Wohnmobil besuchen möchte, bedarf starker Nerven und viel Idealismus. Die Planung muss 2 Monate zu vor beginnen. Schon für die Beschaffung des Visums und der Buchung eines Hotels, was notwendige Voraussetzung ist, bedarf es der Einschaltung eines Veranstalters (Schniederreisen Hamburg). Eine geeignete grüne Versicherungskarte ist zu beschaffen und eine Krankenversicherung abzuschließen. An den Grenzen dauert es ewig, bis die Daten der Pässe mehrmals erfasst sind.

Die Kontrollen des Zolls gingen schnell und problemlos. Es musste keine Bestandsliste gefertigt werden, entgegen den Ankündigungen. — Die desolaten Straßenverhältnisse spotten jeder Beschreibung. Sie sind eine Zumutung für die dortige Bevölkerung, aber auch für Menschen mit Rückenproblemen und die Fahrgestelle. Die Schlaglöcher kommen in Serie ebenso vor wie unvermittelt mit 20 cm Tiefe. — Die Stadt Königsberg bietet nichts sehenswertes. Man fühlt sich in uralte DDR-Zeiten zurückversetzt. Monumente und monumentale Bauten, desolate Wohnblöcke. Nur wenige Reste aus ostpreußischer Zeit sind erhalten oder restauriert.

Die Landschaften sind weitläufig und wohltuend. Die Störche halten sich nicht an die Grenzen und sind hier wie in Masuren und im Baltikum zahlreich anzutreffen. Die Kurische Nehrung ist ein bis zu 1 km breiter Streifen, der die Ostsee vom Haff trennt. Leider gibt es auf russischer Seite nur wenige Stellen, von denen aus man die See sehen kann. Allerdings gibt es viele gute Beschriftungen in deutscher Sprache, insbesondere vogelkundlichen Erläuterungen.

Polen


(gesamt 22 Tage im Ausland, davon Teil I mit 9 Tage in Polen)

Tag 1 (186 km) Stettin - Wollin - Cammin

Erreichen des Stadtzentrums von Stettin. Zuerst erfolgte am Bankomat der Geldumtausch. Bewachte Parkplätze fanden wir nicht. Überall aber Parkmöglichkeiten gegen Parkgebühren. Das Nichtbezahlen wird streng kontrolliert.

Die Stadt verfügt über ein gute Verkehrsnetz. Es gibt vieles aus der Vergangenheit zu besichtigen. Fürfußschwache empfiehlt sich mit einem Taxi einen Preis für eine Rundfahrt mit Besichtigung auszuhandeln.

Eine richtige „Altstadt“ haben wir nicht gefunden.

Etwas enttäuschend war die folgende Fahrt auf der Nr. 102 entlang der Ostsee, weil man von letzterer wegen der Dünen nie etwas zu sehen bekommt. Nach dem Abbiegen in südlicher Richtung auf die Nr. 107 bekamen wir dann wieder schöne Blicke aufs Wasser, bis wir in Cammin (Kamien Pomorski) erreichten. Nach der Außenbesichtung des Doms übernachteten wir auf einem Parkplatz.

Tag 2 (km 264) Köslin - Stolp - Lebork

Auch am folgenden Tag ging es durch interessante Landschaften, jedoch ohne Blick auf die See. Eher einen tristen Eindruck machte

Kolberg. Von der Bedeutung als Seebad haben wir nichts gespürt.

Sehenswert sind der fünfschiffige Mariendom und dies pätgotische Rathausfassade (Schinkelbau). Über Köslin und Stolp fanden wir abends in Lebork unseren freien Übernachtungsplatz. Dieser lag gegenüber dem sehr empfehlenswerten Kellerrestaurant „Karczma Rycerska“.

Tag 3 (km 148) Kaschubische Schweiz - Hela

Zunächst ging es über die A6 nach Neust und von da über die Nr. 218 und 214 durch die Kaschubische Schweiz Richtung Halbinsel Hel. Auf dem Weg zur Spitze der Halbinsel konnte man meist die Bucht Richtung Danzig einsehen. Die kleinen Dörfer machten einen ordentlichen sanierten Eindruck. Wenig erbaulich war dann die Stadt Hel. Sie war lange Zeit militärisches Sperrgebiet und bietet außer vielen Verkaufsständen nichts, außer dem Blick über den Hafen aufs freie Gewässer. An allen Ecken und Enden finden sich gebührenpflichtige Parkplätze. Auf der Rückfahrt übernachteten wir auf einem Windsurfer - Campingplatz mit geringstem Service (20 Zloty).

Tag 4 (km 119) Gdingen - Zoppot - Danzig - Zukowo

Über Puck fuhren wir nach Gdingen und waren überrascht über die großzügigen Straßen und Anlagen. Am Hafen gibt es genügend Parkplätze und Möglichkeiten zur Besichtigung eines Aquariums und eines ausgedienten Zerstörers.In dem 15 km entfernten Danzig hielten wir auf dem unmittelbar an der Katharinenkirche befindlichen Parkplatz (je Std. 5 Zl.,mehr als 24 Std. nur 25 Zl.!).

Die Besichtigung der Altstadt ist eine kunsthistorische Augenweide und ein Marsch durch die deutsche Geschichte. Übernachtet haben wir in Zukowo, 20 km westlich von Danzig um am nächsten Tag Bekannte zu besuchen.


Tag 5 (km 249) Danzig - Elbing - Osterode - Allenstein

Wir besuchten ein junges polnisches Ehepaar, das wir vor 3 Jahren auf einem Campingplatz in Griechenland getroffen haben. Beide sprechen ausgezeichnet die deutsche Sprache. Vor 2 Monaten wurde ihnen eine Tochter geboren (Alizia). Es gab ein herzliches Wiedersehen mit dem Versprechen auf ein neues Treffen bei uns zu Hause.

Nun begann sozusagen der zweite und Hauptteil der Reise, der Besuch der Masuren mit dem Pflichtbesuch der Marienburg. Auf der Strecke von Elbing nach Osterode haben wir leider keine der die Kanäle verbindenden Trockenstrecken für die Ausflugsschiffe sichten können. Auf dem Weg nach Allenstein haben wir die ersten Seen gesichtet. Allerdings bot die Stadt selbst nichts besonderes.

Entschädigt wurden wir vom Service des Parkhotels, wo wir dann auch über Nacht stehen blieben (20 Zl.), nachdem wir zuvor an anderer Stelle vertrieben worden waren. Ein Anwohner hatte sich wohl gestört gefühlt und bemühte sich telefonisch nachhaltig um das Auffinden eines geöffneten Campingplatzes. Nachdem wir schon Alkohol getrunken hatten, zogen wir die kurze Fahrt zum Hotel zur dortigen Übernachtung vor.

Tag 6 und 7 (km 99) Sensburg - Reuschenbach - Camping

Mit der Fernsehübertragung der Hochzeit von Felipe und Letizia haben wir viel Zeit verplempert. So ging es nach der Rundfahrt am Rande einiger Seen 9 km nördlich von Sensburg in Reuschenbach (jetziger Name Russendorf = Rusca Wies) auf einen schon geöffneten, malerisch gelegenen Campingplatz, wo wir 2 Nächte stehen blieben. Dieser Platz mit dem Namen „Seeblick – Camping“ ist als eine Augenweide und Seelenoase sehr empfehlenswert. Wir waren die ersten Camper dieses Jahr. Im Vorjahr soll es schon 2 Monate vorher losgegangen sein.

Am späten Nachmittag wurden wir zur Kommunionsfeier der 9 – jährigen Tochter des etwas deutsch sprechenden Platzbesitzers eingeladen. Die 30 Gäste sangen stundenlang mit Ziehharmonika undbrachten zum Schluss unseretwegen auch die deutschen Lieder „Ein Polenmädchen..., es war so schön ... „ und „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus...“. Getanzt wurde ebenfalls, einschließlich des Pastors. Brandy, Wodka und sonstige scharfe Sachen flossen ebenfalls zur Genüge, ohne dass jemand aus der Rolle fiel.

Wir Gäste tranken den Alkohol aus Stielgläsern, die Frauen versenkt in Saft und die Männer pur aus Wassergläsern. Wer ein paar Worte deutsch sprach, redete uns freundlich an. Einige berichteten von ihren positiven Erfahrungen bei der Arbeit in Deutschland.

Die Oma der Kommunikantin erzählte uns in ihren noch gespeicherten wenigen deutschen Worten, dass sie mit 15 Jahren nach Deutschland (Selb und Passau) deportiert wurde. Sie sei aber nicht böse auf die Deutschen. Wir lernten somit hautnah die polnischen Menschen kennen und ihre Art zu feiern. Unmittelbar angrenzend an den Campingplatz entdeckten wir einen uralten Friedhof mit ausschließlich deutsch beschrifteten Grabsteinen. Das älteste Grab war mit einer gusseisernen Tafel versehen und wies ein Geburtsdatum von 1765 und das Todesjahr 1835 aus.

Die Gräber, soweit noch erkennbar und die Wege zu ihnen waren ordentlich gepflegt und mit Pflanzen geschmückt. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass zwei ältere Frauen aus Nachbardörfern und der Campingplatzbesitzer regelmäßig für die Pflege sorgen.

Tag 8 (km 54) Masurische Seen - Nikolaiken

Es regnete fast den ganzen Tag. Deshalb kamen wir nur bis Nikolaiken, einem sich entwickelnden Touristenzentrum,vor allem für Wassersportler. Es entstehen moderne Läden und Restaurants mit einer Freilichtbühne mit Durchblick aufs Wasser. Überall hörte man Deutsche sprechen. Wir übernachteten auf einem 24 Std. bewachten Parkplatz, weil wir uns genierten, frei zu stehen, was ohne weiteres möglich gewesen wäre.

Tag 9 (km 186) Lötzen - Wolfschanze - Treuburg

Das war ein Tag mit 3 Höhepunkten. Zuerst die Fahrt um die verschiedenen Seen mit herrlichen Landschaften, dann der Besuch der Wolfschanze und am Tagesende die Einladung durch eine polnische Familie in ihr Haus.

Mein Seglerherz hat höher geschlagen, als ich die vielen Segelboote mit ihrem leuchtenden Weiß auf den Seen sah und später die zahllosen Häfen. Die Seen reihten sich aneinander wie dunkle Perlen. Wenn man glaubte, des Ende eines Sees erreicht zu haben, kam ein Kanal oder ein Kap und es ging nach einem Winkel wieder weiter. Den Mittelpunkt bildete die Stadt Lötzen.

Von dort ging es weiter nach Rastenburg, wo in 8 km Entfernung der Rest von Hitlers Wolfschanze zu besichtigen ist. Konkret zu sehen ist nicht viel. Dennoch lohnt sich der Besuch um zu erkennen, wie ein Wahnsinniger mit 6 Meter dicken Bunkermauern glaubte ein tausendjähriges Reich sichern zu können, das nur 12 Jahre überlebte. Es schaudert einen, wenn man weiß, dass an dieser Stelle nicht wieder gut zu machende menschliche und strategische Fehlentscheidungen getroffen wurden.

Wohltuend für unsere wunde deutsche Seele hoben sich die Berichte der polnischen Fremdenführer ab, die im wesentlichen auf den dort sichtbar gewordenen Widerstand gegen das Regime verwiesen und stets von den Nazis und nicht von den Deutschen im Allgemeinen sprechen. Nachdem unser Bedarf an Seen, gotischen Backsteinkirchen, deutscher und ostpreußischer Historie gedeckt war, beschlossen wir uns Richtung Litauen abzusetzen.

Zum Glück wurden wir bald müde und stoppten unsere Fahrt am Ortseingang von Treuburg (Olecko) in einer Neubausiedlung mit einer Serie von Reihenhäusern. Vor einem unbebauten Grundstück hielten wir zur Übernachtung an. Als ich den Hausbesitzer des angrenzenden Grundstücks auf seinem Gelände sah, ging ich hin um ihn kurz zu informieren. Wir verständigten uns auf englisch. Er sagte „you are wellcome“ und lud mich zum Tee ein. Er fragte mich nach dem Bedarf an Wasser, Strom oder Dusche, was ich alles dankend ablehnte. Als wir uns schon Schlafen gelegt hatten, klopfte es gegen 21:30 Uhr an das Wohnmobil.

Draußen stand der Nachbar mit deutsch sprechender Frau mit der eindringlichen Bitte, doch zum Tee und Abendessen rüber zu kommen. Es war uns unmöglich diese freundliche Geste auszuschlagen, obwohl wir hundemüde waren. Dort wurde dann alles aufgefahren, was das Haus hergab. Vermutlich war 1 Stunde zuvor das wenigste davon bereits im Hause. Wurst, Käse, Gebäck, Tee, griechischer Wein und vieles mehr.

Die beiden noch nicht schulpflichtigen Kinder mussten ins Bett. Wir hatten für sie unsere letzen Süßigkeiten zusammengekratzt. Am Tisch saß noch die im Maturum stehende Tochter Lidia. Eine reizendes, wohlgebildetes, charmantes und bestes englisch sprechendes Mädchen. Die Frau des Hauses übte trotz ihrer 4 Kinder 2 Lehrer -Jobs aus. Sie hatte in der Schule deutsch gelernt und beherrschte die Sprache noch leidlich gut.

Der Ehemann sprach englisch und war zwar gelernter Ingenieur, war jetzt aber selbständiger Layouter für Prospekte und andere Druckerzeugnisse tätig. Es war sehr informativ und unterhaltsam, wenn auch etwas umständlich. Das auf deutsch Gesagte wurde von der Gastgeberin und das englisch Gesprochene vom Ehemann oder der Tochter ins Polnische übersetzt. Wir erfuhren sehr viel über die Einstellung der Polen zur Entwicklung innerhalb der EU und den mühsamen Weg zu mehr Wohlstand. Gegen 24:00 Uhr haben wir uns verabschiedet und künftigen Kontakt per E-Mail zugesagt.

Tag 10 und 11 (km 347) Grenze Litauen - Kaunas - Viktorija See - Camping

Nachdem wir mit einem Stadtplan versorgt worden waren, haben wir die Stadt Olecko kurz besichtigt. Sie macht eeinen großzügigen Eindruck. Es wurde uns gestern berichtet, dass es einen deutschen Verein der ehemaligen „Treuburger“ gebe, die finanzielle Unterstützungfür bestimmte Einrichtungen leisten. Es wurde uns auch berichtet, dass sich hier die Mannschaft Deutschlands 1936 hier auf die Olympiade in Berlin vorbereitet hatte.

Richtung Litauen haben wir uns ziemlich verfahren. So haben wir den Plan aufgegeben über die südliche Zollstelle einzureisen, was landschaftlich reizvoller sein sollte. Als wir dann in Budzisko die Grenze passierten, hatten wir in Polen 1.400 km zurückgelegt.

Baltikum

Tag 10 und 11 (km 347) Grenze Litauen - Kaunas - Viktorija See - Camping

Der erste Eindruck von Litauen war nicht gut. Das setzte sich so fort und wir sprachen den ganzen Tag sehr wohlwollend von Polen. Sowohl an der Zollstelle selbst als auch an der Geldumtauschstelle wimmelte es von Schlaglöchern mit Pfützen. Die Hauptverbindungsstraße nach Kaunas war dann neu und sehr gut (mit EU-Geld) gebaut. Schnell vermissten wir die leicht erkennbaren Vorwegweiser und andere Hinweisschilder. Wir benötigten wegen fehlender oder irreführender Wegweiser eine Stunde um das Stadtzentrum von Kaunas zu finden. Die hastige und unorthodoxe Fahrweise der Litauer trug weiter zu unserer kleinen Missstimmung bei.

Die Parkplatzsuche war ein weiteres Problem. Es gab nur litauische Beschriftung und es konnte nur mit einer bestimmten Chipkarte bezahlt werden. Die gelegentlich sichtbaren Parkkrallen hinderten uns den sonst gültigen Fremdenbonus zu testen. Letztendlich klappte es doch noch und wir besichtigten die Fußgängerpassage, auf die die Bewohner so stolz sind, weil es so etwas in der Hauptstadt Vilnius nicht geben soll. Im Kellerrestaurant „Auilys“ in der Altstadt haben wir dann gut gegessen und fuhren mit dem Taxi zum Wohnmobil zurück. Der ärmliche Eindruck aus der Großstadt, der in jeder Nebenstraße zu sehen war, setzte sich fort. Auf der Fahrt zum Campingplatz fuhren wir übers Land und sahen die bescheidenen Behausungen und ärmlich gekleideten Menschen. Es wird noch viel mit Zugpferden gearbeitet. Die Landschaft war schön anzusehen und die vielen Störche in ihren Nestern versöhnten uns. 10 km vor dem Campingplatz, sozusagen zur Abrundung unseres nicht glücklichen Tages, dann noch eine Straßenbaustelle (Nr. 200) mit unglaublichen Schlaglöchern und vor allem mit viel Sand. Über die letzte Kuppe schaffte es mein bei den Vorderrädern angetriebener Fiat mit letzter Kraft nicht im Sand stecken zu bleiben. Dann, 5 km danach, die wunderschöne und neue Ferienanlage „Viktorija“ mit Campingplatz in Vistytis. Dort erholten wir uns einen Tag. Der Platz liegt sehr schön am See, direkt an der litauischen, polnischen, russischen Grenze. Er ist für dortige Verhältnisse mit allem Komfort ausgestattet, verfügt über viele sportliche Einrichtungen, ein ansprechendes Lokal und einen deutsch sprechenden Platzbesitzer.

Tag 12 (km 205) Grenze Russische Föderation - Insterburg - Königsberg

Vorbemerkungen (Wiederholung aus der Einführung): Wer Königsberg mit dem Wohnmobil besuchen möchte, bedarf starker Nerven und viel Idealismus. Die Planung muss 2 Monate zu vor beginnen. Schon für die Beschaffung des Visums und der Buchung eines Hotels, was notwendige Voraussetzung ist, bedarf es der Einschaltung eines Veranstalters (Schniederreisen Hamburg). Eine geeignete grüne Versicherungskarte ist zu beschaffen und eine Krankenversicherung abzuschließen. An den Grenzen dauert es ewig, bis die Daten der Pässe mehrmals erfasst sind. Die Kontrollen des Zolls gingen schnell und problemlos. Es musste keine Bestandsliste gefertigt werden, entgegen den Ankündigungen.

Die desolaten Straßenverhältnisse spotten jeder Beschreibung. Sie sind eine Zumutung für die dortige Bevölkerung, aber auch für Menschen mit Rückenproblemen und die Fahrgestelle. Die Schlaglöcher kommen in Serie ebenso vor wie unvermittelt mit 20 cm Tiefe. - Die Stadt Königsberg bietet nichts sehenswertes. Man fühlt sich in uralte DDR-Zeiten zurückversetzt. Monumente und monumentale Bauten, desolate Wohnblöcke. Nur wenige Reste aus ostpreußischer Zeit sind erhalten oder restauriert. - Die Landschaften sind weitläufig und wohltuend. Die Störche halten sich nicht an die Grenzen und sind hier wie in Masuren und im Baltikum zahlreich anzutreffen. Die Kurische Nehrung ist ein bis zu 1 km breiter Streifen, der die Ostsee vom Haff trennt. Leider gibt es auf russischer Seite nur wenige Stellen, von denen aus man die See sehen kann. Allerdings gibt es viele gute Beschriftungen in deutscher Sprache, insbesondere vogelkundliche Erläuterungen.

Etwa 2/3 der Fahrtstrecke nach Königsberg konnten wir auf neuen, guten Straßen fahren. Der Rest war ein Horror, besonders in den Städten und Dörfern und vor allem in Königsberg selbst.

In Insterburg machten wir Halt und besichtigten die alte Backsteinkirche, in der gerade ein orthodoxer Gottesdienst stattgefunden hatte. Wir sahen bettelnde alte Frauen, die auch regelmäßig Gaben bekamen. Im Kiosk in der Kirche konnte man Bildchen von Ikonen, bemalte Eier, kleine Broschüren erwerben, nicht aber eine Postkarte mit der Kirche drauf. So gelang es uns nicht einem Freund eine Postkarte von Insterburg zu schicken, der seinem Segelboot auf dem Bodensee diesen Namen gegeben hatte. - In der Nähe der Städte fielen uns die verwahrlosten Wohnblocks auf. Müll lag in Tonnen vor den Häusern und schlecht bekleidete Menschen gingen dort ein und aus.

Aber auch andere Häuser und Gebäulichkeiten machten durchweg einen heruntergekommenen Eindruck. - In Königsberg angekommen suchten wir verzweifelt nach dem Weg zum Hotel „Tourist“. Einmal von der Route unseres Stadtplans abgekommen, fanden wir nur schwer wieder auf den rechten Weg. Überall nur russische Schrift, keine Vorwegweiser, kleine Tafeln (wenn überhaupt), rücksichtslos fahrende Einwohner. Im Hotel fand man keine Reservierung für unser Doppelzimmer. Zum Glück sprach die Dame am Empfang deutsch.

Es war eine russische Studentin, die hier eine 24 Stundenschicht absolvierte um dann wieder 3 Tage ihrem Studium nachgehen zu können. Das Problem wurde irgendwie gelöst und uns ein Doppelzimmer zugewiesen. Nach einem Bettentest (es war hart wie eine Pritsche) zogen wir es vor im Wohnmobil zu übernachten. Die Dusche funktionierte, nicht aber der versprochene Fernsehempfang eines deutschen Kanals.

Das Bemühen des Personals, uns es recht zu machen, war zu spüren. Die uns gegebene Empfehlung im „Hof“ (Podvoré) gepflegt zu essen war bestens. Alles war schmackhaft, freundliche Bedienung, englische Speisekarte, gutes Kellerambiente. Die Nacht über standen wir neben 2 Bussen im Hof des Hotels, der von einem junger Mann bewachte wurde.

Tag 12 (km 130) Königsberg - Kurische Nehrung - Nida

Im Hotel nahmen wir das bescheidene, aber ausreichende Frühstück ein. Vor der Weiterreise zur Kurischen Nehrung unternahmen wir noch eine Schlaglöcher behaftete Rundfahrt durch Königsberg. Am gerade in Restauration befindlichen Dom, dem Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung, trafen wir einen 75-jährigen Russen mit perfekten Deutschkenntnissen. Er hielt uns 1 ½ Std. eine Lektion in deutscher Geschichte und begleitete uns im Wohnmobil bis zur Stadtgrenze.

Zuvor führte er uns an wichtige Punkte der Stadt, wie das Rossgärter Tor, die alte Schlossmauer, den Hafen, Neubauten von einer orthodoxen und einer katholischen Kirche und zuletzt zu einem ehemals deutschen Friedhof mit 5000 Bombentoten. Unser Begleiter war von 1942 bis Kriegsende von Deutschen als Zwangsarbeiter nach Königsberg gekommen.

Danach ging er in seine Heimat nach Weißrussland zurück. Vom Staat wurde er später wieder nach Königsberg versetzt, wo er dann bis heute verblieb. Er ist einer der wenigen lebenden Russen, die Königsberg im Urzustand kennen und wohl manchmal von den alten Zeiten träumen. - Wiederum nach einigen Irrfahrten mangels lesbarer Hinweisschilder fanden wir dann den Weg über die Kurische Nehrung.

Auf russischer Seite waren € 40 (aber in russischer Währung) und auf litauischer Seite € 30 für den Eintritt in den Nationalpark zu bezahlen. Trotzdem waren die Straßen schlecht und mit überraschenden Schlaglöchern versehen. Von der See oder dem Haff ist die ganzen 30 km nichts zu sehen, es sei denn, man findet per Zufall eine Zufahrt zu den Dünen.

Erstaunlicherweise finden sich viele Beschilderungen in deutscher Sprache. Das gilt besonders für eine Vogelwarte mit nahezu 10 Tafeln mit eingehenden Erläuterungen zur Vielfalt, dem Bestand und den sonstigen Besonderheiten der örtlichen Vogelwelt. Eine dort praktizierende deutsche Studentin (Umweltingenieurwesen) gab uns zusätzliche Informationen. Kurz vor der Grenzstation kann man neuerdings auch tanken (Diesel 0,31 Cent/Liter) und das restliche Geld ausgeben. Die Ausreise war unkompliziert und ohne einen Blick in unseren Wagen nach 10 Minuten erledigt. - Wohltuend genossen wir die guten Straßen und die Häuser nach westlichem Standard auf litauischer Seite. In Nida, der Thomas Mann Stadt, war an diesem Tag alles blockiert wegen eines traditionellen Festes. Wir verbrachten die Nacht auf dem Campingplatz „Kempingas“, weil in Nationalparks das freie Campen verboten ist.

Tag 13 (km 61) Kurisches Haff - Naturschutzgebiet - Memel (Klaipeda)

Morgens besichtigten wir eingehend das Städtchen Nida, wo wegen des Vortages und des heutigen Sonntags noch viel Leben herrschte. Bei der Weiterfahrt auf der Kurischen Nehrung bekamen wir öfters einen Blick auf das flache Gewässer der Ostsee und das schilfbestandene Haff.

Sehr beeindruckt hat uns eine Vogelbeobachtungsstation, von der aus wir Tausende von Nestern der Kormorane und Graureiher sehen konnten. Am Ende der Halbinsel ging es mit der Fähre in 10 Minuten zum Festland, mitten in die Stadt Memel, heute Klaipeda.

Der kurze Rundgang durch die frühere Altstadt brachte nichts besonders Sehenswertes. Im 12. Stockwerk des Klaipeda-Hotels haben wir sehr gut gegessen und genossen einen ausgezeichneten Überblick über die Stadt. Auf dem davor befindlichen bewachten Parkplatz verbrachten wir eine ruhige Nacht.

Tag 14 (km 261) Palanga - lettische Grenze - Liepaja - Windau(Ventspils)

In dem 30 km nördlich liegenden Palanga entwickelt sich eine moderne Seebäderstadt mit gut restaurierten niedrigen Holzhäusern und einem ganz besonderen Ambiente. Der feinsandige Strand soll sich über 25 km erstrecken. Bei einem Einkauf haben wir das restliche litauische Geld ausgegeben um in Liepaja bei der Hansabank (der Bankautomat ignorierte mich) lettisches Geld einzutauschen.

Bei dieser ständigen Geldwechselei vermissten wir sehr unseren Euro. Nach einem Reinfall beim Essen (das Schweinekotelett war zäh und trocken) verhinderte die schlechte Beschilderung ein schnelles Auffinden des Fährhafens. Dort ließ ich mir für 10 Tage später einen Platz auf der Fähre nach Rostock reservieren. - In Lettland fielen uns verwahrloste Wohnblocks auf, in denen wir russische Bewohner vermuteten (Bevölkerungsanteil 30 % und offensichtlich benachteiligt).

Auf der Straße Nr. 111 Richtung Norden war sehr wenig zu sehen. Die auf der Karte angegebenen Ortschaften bestehen oft nur aus 3 Häusern. Erst gegen Ende der Strecke nahe Windau (Ventspils) gibt es Gelegenheit die Ostsee und die 10m hohen Dünen zu sehen oder zu besichtigen.

Um so beeindruckender sind dann die breiten und neu gebauten Straßen in Windau, der gesamte Hafenbereich und die erst teilweise sanierte Altstadt mit ihren kleinen Holzhäusern. - In einer Gegend mit Einfamilienhäusern parkten wir diese Nacht, nachdem wir uns dem im Garten arbeitenden Hausbesitzer zu erkennen gegeben haben. Er fragt umgehend, ob wir etwas benötigen, ggf. Wasser, was wir dankend ablehnten.

Tag 15 (km 220) Jurmala - Riga

Aus Zeitgründen fuhren wir auf der A 10 und stoppten erst kurz Riga in der mondänen Stadt Jurmala. Vieles erinnerte uns an die Städte Albeck und Heringsdorf auf Usedom. Vornehme Villen, sanierte und nicht sanierte Holzhäuser und daneben gelegentlich unansehnliche Wohnblocks der Vorwendezeit. Es lohnt sich ein paar Schritte auf der Stadtpromenade zu gehen oder einen Blick über die Dünen auf den langen Strand zu werfen.

Als wir über die flussabwärts liegende Brücke (sie hängt an einem 50 m hohen Pylonen) über die Daugave fuhren, waren wir von der Silhouette der Stadt Riga sehr beeindruckt. Diese positive Stimmung hielt auf Dauer an. Wir unternahmen problemlos eine Rundfahrt durch die großzügigen Straßen und fanden überall gebührenpflichtige Parkplätze, auch für unser großes Gefährt.

In der Altstadt konnte ich erstmals der Auslage eines Schmuckgeschäfts nicht widerstehen und kaufte meiner Frau für den anstehenden Geburtstag einen Armreif mit einem interessanten grünen Bernstein. Einen schönen Ausklang fand der Tag im 7. Stockwerk des Hotels de Rome, im Restaurant Otto Schwarz.

Tag 16 (km 311) Ostseeküste - Grenze Estland - Stopp 30 km vor Tallin

Wegen der weiten Strecke nach Tallin wollten wir früh starten, zuvor jedoch alternative Fährmöglichkeiten zurück in die Heimat ausloten. Das maßgebliche Fährterminal fanden wir mangels Beschilderung nicht, dafür jedoch eine in Deutschland aufgewachsene Lettin. Sie verschaffte uns die Information, dass die von uns einkalkulierte Fährverbindung ab Tallin erstmals am 20. Juni startet, also 10 Tage nach dem Termin, an dem wir zu Hause sein wollten. Nun begann die Suche nach einem Reisebüro, das Ausloten der geeigneten Fähren mit den unterschiedlichen Terminen, Ankunftssorten und Reisezeit auf See.

Letztendlich entschieden wir uns für eine Rückreise von Memel nach Saßnitz mit einer Zeit auf See von nur 20 Stunden. Die Entscheidung für Memel hieß gleichzeitig, dass wir die noch vor uns liegende Strecke wieder zurück mussten (300 km) und von Riga bis Memel weitere 270 km hinzukamen und somit die Restzeit knapp wurde. Mangels schlechter Beschilderung fanden wir nicht die richtige Stadtausfahrt. So war es schließlich 12:30 Uhr bis wir uns auf der A1 Richtung Tallin befanden. Die Landschaft war ansprechend, wir sahen wieder mehr Storchennester, aber sonst bot sich keine große Abwechslung.

Zum Unglück mussten wir noch 30 km holprige Straßenbaustellen passieren. Wir beschlossen etwas erschöpft 30 km vor dem geplanten Ziel Halt zu machen. Auf der A 4 (in Litauen A 1) befand sich ein Hinweisschild auf ein Hotel, das wir aufsuchten. Leider war dort alles erst beim Einrichten auf die nur 2 Monate währende Saison. Die freundliche Bedienung und Betreuung half uns das spartanische Essen zu ertragen.

Insgesamt machte Estland einen bedeutend wohlhabenderen Eindruck als die beiden anderen baltischen Staaten. Oft glaubten wir uns zu Hause zu fühlen. Die Straßen waren durchweg saniert (mit Hinweisen auf EU - Förderung). Die Gebäude meist in gutem Zustand. Die Menschen waren ordentlich gekleidet.

Tag 17 und 18 (km 92) Reval(Tallin) - Haapsalu - Camping

Am frühen Morgen erreichten wir Tallin. Unmittelbar an der Mauer der Altstadt fanden wir einen geeigneten Parkplatz für unser Fahrzeug, nahmen ein Taxi und ließen uns durch die Stadt fahren. Wir stiegen auf dem Domberg bei der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale aus und besichtigten die wesentlichen Baulichkeiten.

Der Marsch über den Domberg und durch die Altstadt ist gleichzeitig ein Marsch durch die estnische, deutsche, polnische, litauische und russische Geschichte. Überraschender Weise befasst sich das Museum für Geschichte beim Thema „Besetzung“ nur mit den Russen.

Die ganze Stadt pulsiert voller Leben und unterscheidet sich kaum vom westlichen Standard. - Leider hatte ich einen falschen Standort für unseren Wagen notiert, so dass wir im Taxi um die alte Stadtmauer fahren mussten um unseren HYMER wieder zu finden.

Gegen Abend ging es dann über die A 9 bis 8 km vor Haapsalu und von dort 30 km nördlich zum „Roosta Holiday Camp“, einer direkt an den Dünen liegenden, gepflegten und mit dichten Kiefern versehenen Anlage. Leider fanden sich bei dem angenehmen warmen Wetter eine Unzahl von stechenden Mücken ein. - Hier sanierten wir uns und schöpften Kraft für die Rückfahrt zur Fähre nach Memel.

Tag 19 (329 km) Pernau - Livländische Schweiz - Segewold (Sigulda)

In Pernau (Pärnu) machten wir den ersten Halt. Es ist eine moderne Kurstadt mit großzügigen Straßen, Kureinrichtungen und vor allem einem langen und flachen Strand mit FKK-Abteil speziell für Damen. Im Stadtzentrum fanden wir ein gutes Restaurant, das die deutsche Vergangenheit pflegt.

Neben einer deutschsprachigen Speisekarte gab es Texte in altdeutscher Sprache und auf dem Weg zu den Toiletten den Text: „Hier ist der Ort, wo auch die Könige zu Fuß hingehen“. - Wieder in Lettland fuhren wir Richtung Ragana durch hügelige und waldreiche Landschaften durch die livländische Schweiz.

Nach einem kurzen Blick auf das dortige Wintersportgebiet (120 m überm Meer) überquerten wir das Tal der Gauja. Wir sahen dort viele Hochzeitskolonnen an uns vorbeifahren. Später trafen wir ein frisch getrautes Paar mit der Hochzeitsgesellschaft unter einer Linde Champagner trinken, was einer lettischen Sitte entspricht. An dieser Stelle soll vor ein paar hundert Jahren ein junges Mädchen von dem verschmähten Liebhaber ermordet worden sein. - In Segulda übernachteten wir in einem besseren Viertel zwischen Einfamilienhäusern.

Tag 20 (294 km) Riga - Mitau - Berg der Kreuze - Plunge

Mangels Vorwegweisern haben wir uns in Riga dann wieder gründlich verfahren. In Mitau (Jelgava), wo ein sehenswertes Schloss aus 1738 der kurländischen Herzöge zu sehen ist, machten wir einen kurzen Halt. Dann besuchten wir nahe Schaulen (Siauliai) den Berg der Kreuze, das wichtigste litauische Nationaldenkmal.

Die über 15000 Kreuze erinnern sowohl an einen Aufstand gegen den Zaren als auch gegen die russische Besetzung mit Verschleppungen nach Sibirien. Über die A 11 ging es auf relativ guter Straße nach der Kleinstadt Plunge (Straße Nr. 166), wo wir auf einem Parkplatz im Zentrum übernachteten.

Tag 21 (70 km) Memel

Diese Stadt war uns schon vom 13. Tag her vertraut, als wir von der Kurischen Nehrung übersetzten. Nochmals ein Rundgang durch die nicht gerade sehenswerte Altstadt mit einem Blick auf die Statue des Ännchen von Tharau und ein Bummel durch das ebenfalls nicht besonders auffällige neue Zentrum an der Herkaus Manto - Straße endete mit einem Abschiedsdinner im 4-Sterne Hotelrestaurant Navalis. Eine kulinarische Höchstleistung bei günstigem Preis. - Gegen 17:45 Uhr legte die Fähre Richtung Saßnitz ab.

Tag 22 (0 km) Eisenbahnfähre „Klaipeda“ - Saßnitz (Rügen)

Diese Art von Fähre war für uns eine neue Erfahrung. Im Prinzip ist es eine Frachtfähre mit Gleisen und Platz für 50 Güterwagen, vor denen dann rückwärts einfahrende Lkws und andere Fahrzeuge ihren Platz finden. Beschriftungen für Aufgänge zu den Kabinen fehlen. Über die Drahtseile stolpernd findet man irgendwie zum Bug, wo sich der einzige Aufgang befindet. Die erste Steiltreppe mit einem Winkel von 75 ° muss man das Gepäck hochschleppen um dann einen Aufzug zu finden, dessen Schrift wir nicht lesen konnten.

Dann aber wurde es fast romantisch. Wir bekamen eine King-Size-Cabin mit 20 qm zugewiesen mit freiem Blick über den Bug des Schiffes. Beim Abendessen saßen wir mit 25 anderen Passagieren an 4er Tischchen mit gemeinsamer Suppenschüssel und einer kleinen Auswahl an Hauptgerichten.

Mit unseren Tischnachbarn, einem Paar aus Zürich, haben wir die im Baltikum gemachten Erfahrungen ausgetauscht und waren erstaunt über die übereinstimmenden Beurteilungen. - Das Erreichen des oberen Stockbettes und vor allem das Herunterklettern war mit erheblichem Risiko behaftet.

So aber schafften wir auch dieses und erreichten gegen 12:30 Uhr deutscher Zeit (lit. Zeit 13:30 Uhr) planmäßig den Hafen von Neu Mukran bei Saßnitz auf Rügen. Die Zeit auf See hat gerade gereicht um meinen hier gegebenen Reisebericht auf meinem Laptop fertig zu stellen.